| The
Tamarind Tree. Die Entstehung dieser CD geht zurück auf einige kulinarisch-cineastische
Begegnungen am Anfang dieses Jahres, bei denen mich Charlie Mariano ganz
nebenbei in die Besonderheiten der südindischen Musik einführte.
Sozusagen zwischen Abendessen und Filmvorführung entstanden teils
ausgedehnte musikalische Exkursionen durch Stapel von Kompositionen, die
auf der Technik der traditionellen südindischen Musik aufbauen oder
davon inspiriert sind. Da ich mich zu dieser Zeit vermehrt dem Orgelspiel
widmete, schlug ich vor, die ausgewählten Stücke in einer Kirche
aufzunehmen. Dies schien umso plausibler, da Charlie Mariano beabsichtigte,
eines der Stücke auf dem Nagaswaram, einem südindischen Tempelinstrument,
zu spielen. Bei unserer Auswahl rückten deshalb auch weitere spirituell-meditative
Stücke in den Vordergrund, die uns insbesondere in Bezug auf ihre
Verträglichkeit mit dem sakralen Kontext angemessen erschienen.
Die Rhythmik der südindischen
Kompositionen ist im Vergleich zur westlichen Musik deutlich komplexer.
Kombinationen aus geraden und ungeraden Metren lassen Muster entstehen,
die unserem westlichen Ohr zunächst so ungewohnt erscheinen, wie die
Klänge eines Mozartschen Violinkonzerts, die in Teilen Indiens gerade
einmal Achselzucken hervorzurufen im Stande sind. (Wahrscheinlich gibt
es auch hierzulande Gegenden, in denen Mozarts Musik Achselzucken hervorruft
– geschweige denn Jazz oder gar indische Musik – aber das ist ein anderes
Thema.) Im Gegensatz zur farbenreichen Rhythmik besteht jedoch der gesamte
Tonvorrat dieser Stücke - notierte Melodien und Improvisationen eingeschlossen
– jeweils aus den Tönen einer einzigen von 72 Tonleitern, den sogenannten
Melakartas.
Nachdem sich der indische Perkussionist,
Ramesh Shotham unserem Projekt angeschlossen hatte, bot sich Ende Januar
die Gelegenheit, an der dreimanualigen Orgel in der Johanneskirche in Köln-Klettenberg
die Aufnahmen durchzuführen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle
noch einmal allen, die zum Gelingen dieser Aufnahmen beigetragen haben.
Johannes Schenk
Juni 2007 |