DAS DEUTSCHLANDLIED AUF RÄDERN

Stationen eines Kunstwerks von 1992 bis heute.


 

Ein Wiedervereinigungsdenkmal an der ehemaligen Grenze zwischen
Ost- und Westdeutschland.

Die Idee
Das Anschreiben
Die Antwortschreiben
Der Weg an die Öffentlichkeit
Ein Schritt zurück
Die Stadt Brühl im Rheinland
Aktuelle Entwicklungen


Die Idee

Die Inspirationen zu der Idee, mittels tongebender Profile auf der Asphaltschicht, an einem innerdeutschen
Grenzübergang ein Wiedervereinigungsdenkmal zu bauen, kamen aus unterschiedlichen Richtungen:
Als Kinder legten wir Pfennigstücke auf die Bahngleise, um später die von schweren Loks bearbeiteten
Münzen in der Schule vorzuzeigen. Aber nicht nur die verformten Geldstücke waren spannend.
Auch der Klang der tonnenschweren Stahlreifen, die über die winzige Unebenheit in der Oberfläche
der Gleise donnerten inspirierten uns. Bald legten wir mehrere Geldstücke hintereinander und erhielten
so wunderbare Rhythmen. Erst später gingen wir dazu über, die Schwellen zwischen den Geldstücken
abzuzählen um zeitlich definierbare Abfolgen zu erhalten. Fuhr der Zug mit einer Geschwindigkeit
von 70 km/h, was ca. 20 Meter je Sekunde entspricht, genügten zwei bis drei Schwellen zwischen
den Geldstücken, um eine hörbare Reihe von Schlägen wahrzunehmen. Zwei Schwellen definierten
wir als Sechzehntelnote. Vier Schwellen waren eine Achtelnote. Als wir uns einmal besonders viel
Mühe mit dem "Auflegen" eines sehr komplexen Rhythmus gaben, stoppte der Lockführer den Zug.
Klar, daß wir mit totalem Herzklopfen hinterm Busch hockten und darauf warteten, daß der Zug weiterfährt.

Die Idee, mittels Profilen Töne "in die Fahrbahn" einzubauen, kam mir erst später. Auf der A3 bei
Leverkusen gibt es eine Stelle, an der beim Überfahren Töne hörbar werden. Dabei handelt es sich
um Abrollgeräusche, deren Höhe proportional zu der gefahrenen Geschwindigkeit sind. Hier dachte
ich zum ersten Mal über Profile nach, die Töne im Sinne des Zwölftonsystems erzeugen und mit
denen Melodien in die Fahrbahn eingebaut werden könnten. Erst während der Wiedervereinigung
kam mir die Idee, das Deutschlandlied sozusagen als Wiedervereinigungsdenkmal in die Fahrbahn einzubauen.

Ein wichtiger Anstoß zu dieser Idee war der Brief Helmut Kohls, in dem er im November 1990 mit
"blühenden Landschaften" für seine Wiederwahl warb.

Es verging noch einige Zeit, bis ich eine erste Zeichnung herstellte, welche die Klanginstallation
in ihren Einzelheiten zeigte. Auf der Skizze ist zu sehen, wie ich mir die tongebenden Profile
zu diesem Zeitpunkt vorstellte. In Frankreich und mittlerweile auch verstärkt in Deutschland
sind ähnliche Verfahren im Einsatz. Sie sollen müde gewordene Autofahrer durch klingende
Markierungsstreifen (durchgezogene Begrenzungslinien) vor dem Befahren des Seitenstreifens warnen.
Die nachfolgende Zeichnung ist zu einem späteren Zeitpunkt entstanden. Weitere Zeichnungen waren
Bestandteil der Vorbereitungen zu einer ersten Teststrecke, die ich in Kooperation mit einer grossen
Kölner Strassenbaufirma herstellen wollte. Die Kölner Firma sagte zunächst zu, entschloss sich dann
aber das Projekt nicht weiter zu verfolgen.


Das Anschreiben

Im Herbst ´92 arbeitete ich einen Plan aus, der ein erster Schritt zur Umsetzung des Wiedervereinigungsdenkmals
sein sollte. In Anlehnung an des Kanzlers Appell an "Einsatzwillen" und "Solidarität" zur deutschen Einheit,
forderte ich in einem ersten Anschreiben an das Bundeskanzleramt die Bereitstellung öffentlicher Mittel zur
Umsetzung des in der Welt einmaligen Denkmals. Darin stellte ich meinen Beitrag zu "blühenden" Landschaften
in Form von klingenden Landschaften vor. Es folgten weitere Anschreiben an die Staatskanzleien
der innerdeutschen Grenzländer.


Die Antwortschreiben

Bis zum Frühjahr ´93 waren fast alle Antworten der Landes- und Bundesämter bei mir eingegangen.
Wenn auch die Antwortschreiben lesenswert sind und meine Idee z.T. recht originell kommentieren,
war doch keine Behörde bereit, die Mittel zur Umsetzung des Denkmals bereitzustellen.

Hier eine Auswahl der Antwortschreiben:

-    Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin
-    Der Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein
-    Das Büro des Ministerpräsidenten, Björn Engholm, Schleswig Holstein
-    Der Chef des Bundeskanzleramtes
-    Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie
-    Der Bundesminister für Verkehr
-    Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst
-    Büro des Thüringer Ministerpräsidenten
-    Der Pressesprecher des Ministeriums für Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW
-    Die Niedersächsische Staatskanzlei
-    Das Kultusministerium des Landes Sachsen Anhalt
-    Die Staatskanzlei Sachsen Anhalt
-    Hessische Staatskanzlei
-    Hessisches Ministerium für Wirtschaft und Kunst

Nachdem die Mitteilungen der Ämter beisammen waren, entschloss ich mich meine Idee öffentlich zu machen,
um auf diesem Wege an Mittel zu gelangen.


Der Weg an die Öffentlichkeit

Ich wählte den Weg über die auflagenstärkste Tageszeitung - die Bild-Zeitung. Nachdem diese als
erste einen Artikel über das Wiedervereinigungsdenkmal veröffentlichte, war der Stein ins Rollen gebracht.
Die Deutsche Presseagentur übernahm die Meldung vom "verrückten Plan" eines "Hürther Komponisten"
und leitete sie weiter an die Nachrichtenredaktionen. Abrupt setze reges Medieninteresse ein.
Zu dieser Zeit war ich hauptsächlich damit beschäftigt, Interviews zu geben, an Talkshows
teilzunehmen und Drehtermine wahrzunehmen. Viele Sender brachten Interviews oder stellten
für Ihre Sendungen Filmbeiträge her.

Hier eine Auswahl der Pressestimmen:

-    Bild-Zeitung vom 18. Januar 1993
-    Die Tageszeitung TAZ, vom 29. Januar 1993
-    VDI  Nachrichten
-    Kieler Nachrichten vom 6. Februar 1993
-    Auto Motor und Sport, Heft 4, 12. Februar 1993
-    Kölner Stadtanzeiger vom 4. Februar 1993


Ein Schritt zurück

Die Überraschung kam nach dem rastlosen Verkünden ein Wiedervereinigungsdenkmal bauen zu wollen.
Nachdem rund 15 Millionen Menschen in Ost- und Westdeutschland über mein Vorhaben in Kenntnis
gesetzt waren, wollte ich nun endlich mit der Arbeit beginnen. Der Medienrummel war ja ganz nett.
Nun aber wollte ich das eigentliche Projekt angehen. Doch scheinbar gab es außer bei den Medien
für mein Denkmal kein Interesse. Es schien, als sei die wochenlange Medienpräsenz in der Öffentlichkeit
einfach verpufft. Zwar bestanden weitere Angebote für Interviews und Sendungen. Aber mein Ziel war es ja,
das Projekt in die Tat umzusetzen. Von diesem Ziel war ich weiter entfernt als zuvor.


Die Stadt Brühl im Rheinland

Bei dem Konzert einer Freundin im Herbst ´94 lernte ich den Kulturamtsleiter der Stadt Brühl kennen.
Ich erzählte ihm von der Medien-Odyssee rund um das Deutschlandlied auf Rädern. Er entwickelte
Interesse an einer Installation für die Stadt Brühl, jedoch mit "einer anderen Melodie" als dem Deutschlandlied.
Zwar standen auch hier keine Gelder zur Verfügung. Aber das zu erwartende Medieninteresse, von dem ja
auch "Synergieeffekte" ausgehen sollten, würde es mir leicht machen, Sponsoren für die "volksfestähnliche
Eröffnung" des präparierten Strassenabschnitts zu finden. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Brühl
endete nach Eingang eines abschlägigen Bescheids des ganz oben auf der Sponsorenliste stehenden
und in Brühl ansässigen Präsidenten des ADAC, Otto Flimm.


Aktuelle Entwicklungen

Hier sind aktuelle Geschehnisse rund um das Deutschlandlied auf Rädern gelistet.

Hier zuerst die Reaktionen auf diese Internet-Dokumentation:

-   Süddeutsche Zeitung, 13.Oktober 1999
-   Mein Leserbrief an die Sueddeutsche Zeitung vom 13. Okt. 1999
-   Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. September 1999
-   Titanic, Nr.10 / Oktober 1999

Die weitere Entwicklung

-   Dreharbeiten zu einem Kinofilm u.A. zum Deutschlandlied auf Rädern der Leykauf Film GmbH&Co. KG im März 2004