As time goes B.A.C.H. II

Johannes Schenk & friends - feat. Charlie Mariano


Was geschieht, wenn wir uns bei einer Reise in die Vergangenheit auf die Spuren J.S. Bachs begeben? Wo auch immer wir landen, um seine wunderschöne Musik zu genießen, erkennen wir keinen Ton wieder, weil wir bei unserer Reise in die Vergangenheit alles rückwärts hören. Wie schade! Doch einige Teile der Musik können wir selbst im Rückwärtsgang der Zeitmaschine so hören, wie wir es gewohnt sind. Denn damals komponierte man noch sogenannte Krebskanons. Ein Krebskanon verwendet eine der am Kanon beteiligten Stimmen in ihrer zeitlichen Umkehrung. Sie wird zu den vorwärts laufenden Stimmen von ihrem Ende zu ihrem Anfang, also rückwärts gespielt. Wie schön! Wie kann es aber sein, dass sich eine Musik sowohl vorwärts, als auch rückwärts gut anhört? Genauso gut könnte man fragen, warum diese oder jene Person auch im Spiegel hübsch aussieht. Zugegebenermaßen eignet sich nicht jede Musik zu einer Umkehrung. Weite Teile der Musik J. S. Bachs erweisen sich im Umkehrungstest jedoch als nahezu unkaputtbar.


Die Stücke Nr. 5 und 11 auf dieser CD stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Hier wurde zwar nicht die Zeitachse der Musik umgekehrt. Doch sind diese Stücke, deren genaue Identität der geneigte Hörer selbst herausfinden möge, vollständig um ihre horizontale Achse gespiegelt. Erreicht wird dies durch den Einsatz eines Instruments, dessen Tastatur durch eine trickreiche Schaltung invertiert werden kann. Während die Abstände der Töne zueinander erhalten bleiben, ändert sich deren Laufrichtung: der tiefste Ton befindet sich jetzt auf der rechten, der höchste Ton auf der linken Seite der Klaviatur. Aus dem gelungenen Experiment eines meiner Klavierschüler, „sein“ Bachstück (Track Nr. x auf dieser CD) auf der so gespiegelten Tastatur zu spielen, entstand der Plan, nach gleichem Muster auch mit anderen Klavierstücken zu verfahren. Dabei zeigte sich, dass selbst bekannteste Gassenhauer ihren Wiedererkennungswert vollends einbüßen. Es entstehen also ganz neue Musikstücke. In diesem Zusammenhang wird von Interesse sein, wie die GEMA die so entstandenen Werke zu bewerten gedenkt. Auch bei Track 9 kommt das musikalische Prinzip der Spiegelung zum Einsatz. Wie der Titel des Stücks, „HCAB BACH“ schon andeutet, wird hier die Tonfolge b-a-c-h und deren analoge Formen (z.B. fis-f-gis-g) um ihre vertikale Achse gespiegelt. Auch durch das Stimmengeflecht der meisten anderen Stücke dieser CD spinnt sich die Tonfolge b-a-c-h, was an die Tradition des vorausgegangenen Albums anknüpft. Ein weiterer Grundgedanke des Projektes ist die Vermeidung der verjazzenden Vermischung von Bachscher Originalnotation und Improvisation. Da ohnehin ein beträchtlicher Teil nicht nur der Bachschen Klavier- und Orgelwerke unter dem Einfluss musikalischer Intuition, also durch Improvisation entstanden, scheint eine Gegenüberstellung dieser Elemente sinnvoller als deren Vermengung. Bill Evans Komposition „Time remembered“ fand ihren Weg über eine Originalhandschrift auf diese CD. Charlie Mariano empfing sie in einem New Yorker Jazzclub aus den Händen des legendären Pianisten.

1. Sinfonia (BWV 156, Bearb. J. Schenk)
2. ChickCheck (J. Schenk)
3. Siciliano (BWV 1031, Bearb. J. Schenk)
4. No Itnevni (J. Schenk)
5. Präl. b-moll (BWV 869, Bearb. J. Schenk)
6. Toccata d-moll (BWV 565, Bearb. J. Schenk)
7. Time remembered (Bill Evans)
8. Präl. g-moll (BWV 861, Bearb. J. Schenk)
9. Präl. F-moll (BWV 857, Bearb. J. Schenk)
10. All the things you are (Jerome Kern)
11. Teunem (J. Schenk)
12. HCAB BACH (J. Schenk)

Total Time: 64:25


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