der Vollständigkeit
halber möchte ich den (hervorragend recherchierten) Seite-drei-Artikel
„Einsamkeit und Pech und Kleinsein",
vom 13. Okt. ergänzen:
Das Deutschlandlied auf Rädern, ein akustisches Wiedervereinigungsdenkmal
an den ehemaligen
innerdeutschen Grenzübergängen,
ist von Anfang an als „grenzüberschreitendes Projekt" konzipiert.
Einerseits soll es sich
genau an der ehemaligen Grenze befinden, genauer gesagt an dem Abschnitt,
der durch die Grenzanlagen
verbaut war. Und andererseits soll es Bindeglied zwischen der darstellenden
Kunst und der Musik sein.
Die Profile in der Fahrbahn, welche die ersten vier Takte des Deutschlandliedes
für die Insassen darüber
rollender Fahrzeuge hörbar machen sollen, sind auch Plastik. Klangplastik!
Daß ich mit meiner
92er Aktion, in deren Verlauf ich um die Bereitstellung öffentlicher
Mittel für die
Realisierung des Projekts
warb, die deutsche Bürokratie derart herausforderte, war eine echte
Überraschung für mich.
Der Briefwechsel ist im
Internet unter www.johannes-schenk.de dokumentiert.
Nicht überrascht hat
mich dagegen die Haltung des hessischen Ministeriums, welches mir angesichts
der fremdenfeindlichen Übergriffe
in dieser Zeit zu bedenken gab, daß auch ausländische Mitbürger
unsere Autobahnen und somit
auch das Denkmal be- bzw. erfahren müssten und darin
„möglicherweise das
Aufkeimen eines übersteigerten Nationalismus sehen könnten".
Da aber das Deutschlandlied
- und so weit reichen meine Geschichtskenntnisse nun doch -
mit all seinen Strophen
auch mit jenen dunklen Kapiteln der Geschichte unseres Landes verknüpft
ist,
sehe ich in dem hessischen
Fingerzeig eher eine Anleitung zur Vergangenheits-Verdrängung denn
zur
Vergangenheits-Bewältigung.
Das Verhindern eines Völker
vereinenden Kunstwerkes, wie dem Deutschlandlied auf Rädern,
birgt
eben nicht zwangsläufig
einen konstruktiven Beitrag zur Erreichung einer Gesellschaft,
in der ein friedliches Zusammenleben
zwischen Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen
möglich wird. Und so
dies denn unser Ziel ist, sollten wir unseren Wünschen und Worten
bald
Taten folgen lassen.
Mit freundlichen Grüssen
Johannes W. Schenk