Die Brandkatastrophe in Worringen und ihre Folgen

Köln, 03.04.2008

Der Grossbrand  in Worringen, bei dem in einem Werk der Firma Ineos 3.000 Kubikmeter hochgiftigen
Acrylnitrils verbrannten hat offensichtlich weitreichende Folgen gehabt. Die Katastrophe am 17.03.2008, 
die den grössten Einsatz der Kölner Feuerwehr seit Ende des zweiten Weltkriegs erforderte, wird
die Menschen in der Region noch einige Zeit beschäftigen.
Hier in unserem Stadtteil in Köln-Lindenthal "sieht" es zwar auch zwei Wochen nach der
Katastrophe so aus wie an irgend einem anderen verregneten Apriltag. Aber Besorgnis
breitet sich aus. Diese ist nicht zuletzt durch die Ungewissheit über die Konzentration
der Blausäure-Wolke und deren Zugrichtung mehr als berechtigt. Mich persönlich beunruhigen
Mitteilungen über Messungen, die während der Katastrophe am Ort des Brandes
durchgeführt wurden. Es muss doch klar sein, dass giftige Bestandteile in der Rauchwolke
wie z.B. Blausäure (!) gerade nicht dort (am Unfallort) zu messen sind, da diese ja mit der Wolke
zunächst in die untere Atmosphäre gelangen und sich erst dann langsam je nach Windrichtung
ausbreiten. So wundert es nicht, dass die dort gemessenen Schadstoffkonzentrationen "unbedenklich"
sind. Dass ich mich seit einigen Tagen mit starken Kopfschmerzen plage und mich
neuerdings tagsüber mitunter wie nach einer durchzechten Nacht fühle, führe ich auf die erhöhten
Schadstoffkonzentrationen in der Atemluft zurück. Erst aufgrund dieser Beeinträchtigungen
habe ich Recherchen angestellt in deren Verlauf ich dann eher zufällig von der
Brandkatastrophe erfuhr. Wenn es stimmt, was in dem Monitor-Beitrag über "Blausäure
in der Luft" berichtet wurde, hat zur Zeit des Brandes und im Zeitraum, in dem sich die
Wolke ausbreitete für die Menschen in Köln und Umgebung ein unkalkulierbar hohes
Gesundheitsrisiko bestanden. Gemessen daran ist das Vorgehen der Verantwortlichen
kaum mehr als Skandal zu bezeichnen. Es hätten sofort umfangreiche und für jeden wahrnehmbare
Informationen über die drohende Gefahr erfolgen müssen.

Wie muss man es überhaupt sehen: Erfahre ich jetzt neuerdings durch Beiträge eines
TV-Magazins eher beiläufig und Wochen (!) später, dass ich bereits seit Tagen mit Blausäure
verpestete Luft einatme? Das passt ja in eine Gesellschaft, deren Mitglieder es hinnehmen,
von irgendwelchen zweifelhaften Organen der deutschen Presse darüber informiert zu werden,
dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Damit keine Zweifel aufkommen: Auch ich schätze die
durch das Grundgesetz verbriefte Presse- und Meinungsfreiheit. Aber sind wir doch mal
ehrlich: Das hier unterschiedet sich in weiten Zügen doch längst nicht mehr vom Verhalten
solcher Gesellschaften und Staaten, auf die wir es längst gewohnt sind mit dem Finger des
Besserwissers zu zeigen.

Ich möchte jetzt wissen, welche Beeinträchtigungen hier bei alten, schwachen und kranken Menschen
und bei Kleinkindern in der Region entstanden sind. Und überhaupt: Sind Ärzte, die ja sofort die
Befindlichkeit ihrer Patienten mitbekommen durch ihre Schweigepflicht eigentlich davon enthoben
bei solchen Vorkommnissen angemessen Alarm zu schlagen? Es waren nachweislich
Krebs erregende Substanzen und Blausäure in der Atemluft und man zögerte allen Ernstes
entsprechende Maßnahmen zu ergreifen? Es darf nicht sein, dass man jetzt zur Tagesordnung
übergeht und die Folgeerscheinungen auf den Einzelnen (zumal immerhin wieder einmal die Schwächeren
dieser Gesellschaft) abwälzt.



 

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Johannes Schenk
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